Giovanni Punto

Der als Hornvirtuose berühmt gewordene Böhme Giovanni Punto (1746-1803) war als leibeigener Untertan, Flüchtling, Geigenvirtuose, Konzertmeister, Orchesterleiter, Liebling des Publikums und bewundert von den großen seiner Zeit eine der schillerndsten Figuren unter den Musikern des achtzehnten Jahrhunderts.

Als Johann Wenzel Stich wurde er in Böhmen geboren, nach glücklicher Flucht aus der Leibeigenschaft als Giovanni Punto vom europäischen Adel hofiert und schließlich vom Grafen von Artois (später Karl X. von Frankreich), lebenslang bezahlt. Das hielt ihn zwar nicht davon ab glühender Anhänger der Revolution zu werden, machte ihn jedoch fortan in finanzieller Hinsicht frei. Er reiste mit seinem Horn und dem ihm eigenen „lustigen Humor“ kreuz und quer durch Europa und man reicht ihn von Salon zu Salon. Sein Charme bezaubert die Damenwelt, Mozart beschreibt seine Kunst als „magnifique“ und seiner Freundschaft mit Beethoven verdanken wir dessen einzige Bläsersonate.

Nach dem Urteil von Christian Daniel Schubart war Punto "unstreitig der erste Waldhornist der Welt“. Er selbst kannte offenbar seinen Wert und man nannte ihn schlicht: „Le celebré Punto“. Der gefeierte Meister starb in Prag und wurde mit den Klängen von Mozarts Requiem prunkvoll zu Grabe getragen.


In seinem reichen musikalischen Schaffen gab er einem kleinen Ensemble Impulse, das noch Komponisten des 19. Jahrhunderts inspiriert hat: dem Quintett für Flöte, Horn, Violine, Viola und Violoncello.