Geraubte Küsse, gestohlene Herzen

Treffen Amors Pfeile ins Herz sind Götter wie Menschen machtlos – ausgeliefert dem eigenen Begehren und der Begierde des anderen.

So wurde schon Pluto zum Opfer der Venus durch Amors Pfeil und die klagende Proserpina wiederum zum Opfer des Pluto, der sie in den Hades entführt.  Doch die Früchte der Unterwelt waren verlockend, und hätte Proserpina nicht die Kerne des Granatapfels gekostet, sie hätte gerettet werden können. Die Geschichte endet mit einem Kompromiss: Proserpina steigt für eine Jahreshälfte hinab und herrscht in der Unterwelt; während dieser Zeit herrscht auf der Erde fruchtloser Winter.

Bereits in der Mythologie ist die Beziehung der Geschlechter von List, Raub und Gewalt geprägt, doch scheint die Grenze zur Liebe und Hingabe nicht immer eindeutig zu verlaufen: Rom wäre vermutlich schon kurz nach seiner Gründung untergegangen, hätte Romulus nicht mit einer List die Sabinerinnen geraubt. Doch waren es die Töchter selbst, die sich der späteren Rettung durch ihre Väter widersetzten, um bei den neuen Gatten zu bleiben.


In Geraubte Küsse, gestohlene Herzen spürt die Compagnia di Punto gemeinsam mit der italienischen Sopranistin Raffaela Milanesi den Ränken der Liebe nach. Nachtmusiken von Joseph Haydn und Antonio Rosetti umrahmen Arien aus Opern Mozarts, in denen Frauenfiguren von List und Lust, Wohl und Wehe der Liebe singen.

Besetzung

Sopran, Sprecher, 2 Flöten, 2 Hörner, 2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass

Durch eine intelligente Kombination von verschiedenen Musiken aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen entsteht plötzlich eine neue Situation. Solche Umdeutungen und neuen Sichtweisen wünscht man sich als Programmgestalter eines Festivals viel mehr noch als bloße Repertoire- und Tourneeprogramme, die zwar in der Regel gut einstudiert sind aber oft auch nichts Neues bieten.

Richard Lorber, Redakteuer der Alten Musik beim WDR in Zwischentöne.